Als Ersatz für die wegen seines Abiturs verpasste Teilnahme an den deutschen Juniorenmeisterschaften erhielt Timo-Marcel Nagel vom südbadischen Ringerverband eine Einladung zu Reise und Turnier ins russische Kaliningrad.

Am Gründonnerstag startete die Fahrt im Kleinbus mit etlichen Staus im Osterreiseverkehr und die langsame Grenzabfertigung nach Russland tat ein Übriges dazu, dass ein kompletter Tag für die Anreise gebraucht wurde. Trotzdem bot sich ausreichend Gelegenheit, Kontakt mit Ringern aus Kaliningrad zu knüpfen und gemeinsam die Stadt zu erkunden. In krassem Gegensatz präsentierten sich nagelneue Einkaufszentren und riesige Werbeleinwände neben dreckigen und verfallenden Gebäuden im ehemaligen ostpreußischen Königsberg. Die Reiseleitung lag in den Händen des Russland-Aussiedlers Eduard Frick aus Rümmingen, der auch seine beiden Nachwuchsringer Eugen Kapitanov und Boris Illenseer mit dabei hatte. Die russischen Sprachkenntnisse dieser Männer war eine wertvolle Hilfe, Kontakte mit den einheimischen Ringern zu knüpfen und sich zurecht zu finden.
Welchen Stellenwert die Sportart Ringen in Russland besitzt, wurde den Besuchern eindrucksvoll bewusst. Das besuchte internationale Freistilturnier in Kaliningrad wurde gesponsert vom ehemaligen Weltklasseringer und heutigen Parlamentsmitglied Andrej Schumilin. Er bezahlte Quartiere und Verpflegung für die ausländischen Gäste, die aus den Nachbarländern, aber auch aus England, Ungarn und sogar Indien kamen. Auf Leinwänden in der Stadt wurde das Turnier beworben. Etwa die Hälfte der Turnierteilnehmer kam aus Kaliningrad selbst. Sie lernen das Ringen in einem Sportinternat und leben dort zu Dritt in Zimmern, die für deutsche Verhältnisse fast zu klein wären für eine Person. Ringen, bzw. Sport ist für viele russische Jugendliche die einzige Chance, etwas aus ihrem Leben zu machen. So wird erklärbar, dass die die Masse und die Ringerqualität aus Russland diese Sportart weltweit dominiert. Beim Turnier in Kaliningrad startete nicht die erste Garnitur, da gleichzeitig auch die russischen Meisterschaften ausgetragen wurden. Trotzdem waren die Gastgeber meist die Besseren, wenn auch teilweise etwas mit Beihilfe der Kampfrichter. Auch Timo-Marcel Nagel machte diese Erfahrung. Erst beim Wiegen erfuhr er, dass 2 kg Gewichtstoleranz zugelassen waren und hätte damit leicht auf 66 kg abkochen können. So traf er in der Juniorenklasse bis 74 kg auf einen körperlich weit überlegenen Russen und musste eine Schulterniederlage einstecken. Da sein Bezwinger im Halbfinale ausschied, war für den Tennenbronner auch die Hoffnungsrunde dahin und das Turnier beendet. Der fehlende sportliche Erfolg trübte jedoch nicht die spannende Reise und die vielen mitgebrachten Eindrücke.