Mit der Ringersaison 2011 ging auch eine besondere Karriere des Tennenbronners Anton Pfaff zu Ende. Im Rahmen der Generalversammlung des KSV würdigte Vorstand Jürgen Götz die herausragende Leistung von Anton Pfaff als Ringer-Kampfrichter, der in nicht weniger als 35 Jahren stets ein nationales und internationales Aushängeschild des Vereins gewesen ist. In einem Rückblick streifte er die Meilensteine einer erlebnisreichen Laufbahn, die in der Region weitgehend unbemerkt geblieben ist.

Anton Pfaff

Im Frühjahr 1977 besuchte der damals 22jährige Anton Pfaff einen Lehrgang für Kampfrichteranfänger in Vörstetten. Der damalige Kampfrichterreferent Kurt Tag beeindruckte den jungen Mann und weckte in ihm Begeisterung für ein nicht alltägliches Hobby. Die erste Einteilung zu einem Freundschaftskampf zwischen Hofstetten und Triberg erhielt Anton Pfaff noch per Postkarte. Die Familie hatte damals noch kein Telefon und ein Auto stand auch nicht zur Verfügung. So fuhr Anton Pfaff mit dem Fahrrad ins Kinzigtal zu seinem ersten Einsatz.

Schon zwei Jahre später legte er die Prüfung für die Bundeslizenz erfolgreich ab. Dann waren zehn Jahre Erfahrung vonnöten, bis die Prüfungszulassung für die internationale Kampfrichterlizenz erfolgte. In Leonding bei Linz erlangte Anton Pfaff im Juni 1989 die FILA-Lizenz der Kategorie III und verbesserte sie im Laufe der Jahre kontinuierlich bis zur Kategorie I. 1998 erfolgte der erste Einsatz in Übersee in der Nähe von Toronto / Kanada. Im Juni 2000 wurde er vom DRB für die Europameisterschaften der Junioren in Sofia / Bulgarien nominiert, um dort die Prüfung für die höchste Kategorie „Exzeptionell“ abzulegen. Anton Pfaff nahm auch diese Hürde und war nun berechtigt, Kämpfe bei Europa- und Weltmeisterschaften der Männer und bei Olympischen Spielen zu leiten.

Welchen Stellenwert der Ringkampfsport in Russland bzw. den ehemaligen sowjetischen Republiken genießt, erfuhr Anton Pfaff erstmals bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2001 in Taschkent / Usbekistan. Für die Fahrt vom Hotel zur Wettkampfstätte sperrte die Polizei Kreuzungen und Zufahrten und sorgte so für freie Fahrt. 2002 folgte der Einsatz bei den Europameisterschaften in Baku / Aserbeidschan. Anton Pfaff leitete den Finalkampf des Gastgebers gegen Russland vor 10.000 Zuschauern, unter ihnen auch der Staatspräsident. Ein Höhepunkt waren die Weltmeisterschaften 2002 der Männer in Teheran / Iran. Die riesige Halle war mit 17.000 Zuschauern, darunter auch wieder der Staatspräsident, restlos ausverkauft und das Fernsehen berichtete stundenlang. Auch vor dieser Kulisse bewies Anton Pfaff seine Qualität als Unparteiischer und ein iranischer Ringer verlor unter seiner Leitung den Kampf um die Bronzemedaille. Ein frischgebackener kubanischer Weltmeister dagegen verbeugte sich vor ihm und sagte „Thank you, Sir“.

Es folgten 2003 die Europameisterschaften in Riga / Lettland und die Weltmeisterschaften im Madison Square Garden in New York. Bei dieser WM ging es auch um die Nominierung der Kampfrichter für die Olympischen Spiele 2004 in Athen. Damals war Anton Pfaff voller Zuversicht, auch diese Hürde zu nehmen und erlebte dann die größte Enttäuschung seiner Laufbahn: sein Name war nach der WM nicht mehr auf der Kandidatenliste. Trotzdem nahm er noch im gleichen Jahr  einen Einsatz beim Weltcup der Frauen in Tokio / Japan an.

Insgesamt rechnet Anton Pfaff in den 35 Jahren ca. 1.000 Einsätze zusammen, davon ca. 150 deutsche Meisterschaften und ca. 200 Bundesligakämpfe. International waren es 65 Einsätze, davon 11 Europameisterschaften, 8 Weltmeisterschaften und zweimal war er als FILA-Delegierter bei internationalen Turnieren abgesandt. 10 Jahre lang trug Anton Pfaff das Amt der Kampfrichterobmanns im Bezirk I des südbadischen Ringerverbandes und von 2001 bis 2003 war er der Chef der Unparteiischen im Gesamtverband. Um die 20 Jahre lang – er weiß es selbst nicht mehr genau – arbeitete er noch in den Kampfrichterausschüssen des Südbadischen Ringerverbandes und des Deutschen Ringerbundes mit.

Selten da, aber stets eng verbunden blieb Anton Pfaff mit seinem Heimatverein KSV Tennenbronn. Er freute sich insbesondere, dass der KSV dreimal selbst eine deutsche Meisterschaft ausgetragen hat und übernahm dabei auch stets die Betreuung seiner Kampfrichterkollegen. Diese fühlten sich dabei so wohl, dass sich nicht wenige beim nächsten Mal freiwillig zum Einsatz nach Tennenbronn meldeten. Auch die faire Behandlung des „Pfeifenmannes“ durch Publikum und Presse lag ihm sehr am Herzen und mahnte die Schreiber mehrfach zur Sachlichkeit. Die Motivation für den dringend benötigten Nachwuchs könnte damit genau so gesteigert werden, wie durch diesen Erlebnisbericht von Anton „Donni“ Pfaff.