Über den Verlauf der Regionalliga-Saison 2017 kann kein anderes Urteil gesprochen werden. Spätestens ab Beginn der Rückrunde haben etliche Vereine ihr wahres Potential nicht mehr abgerufen und Kämpfe "freiwillig" verloren. Ganz "freiwillig" geschah es natürlich nicht, sondern hinter der schweren Entscheidung stand der reine Selbstschutz vor dem drohenden Aufstieg in die 1. Bundesliga. So kam eine Spirale in Gang, die gegen Ende nicht wenige Fans wegen mangelnder Spannung zum Fernbleiben bewog.

"Noch nie waren Mannschaftsaufstellungen von solch frustrierenden Überlegungen bestimmt", musste auch KSV-Trainer Mathias Brenn zugeben. "Unser Ziel war immer, den Fans attraktive Einzelkämpfe zu bieten und unsere Besten auf die Matte zu schicken. Schon auf der Waage zu verlieren, wollten wir ihnen nicht zumuten". Tatsächlich blieb Tennenbronn auch 2017 wieder der Zuschauerkrösus der Regionalliga und übertrumpfte viele Bundesliga-Begegnungen. In der Vorrunde war die Begeisterung noch vorhanden. Die beiden Neuzugänge Miroslav Geshev und Florian Neumaier schlossen die Lücken in den oberen Klassen überragend und die jungen Eigengewächse Mathias Schondelmaier, Lukas Brenn, David Brenn und Jonas Schondelmaier zeigten zunehmende Reife für die Regionalliga. In der Mitte bürgten Timo-Marcel Nagel und Fabian Reiner für Punkte. Matteo Lehmann rückte von der zweiten Mannschaft auf und füllte mit viel Engagement die durch den Weggang von Timo Moosmann entstandene Lücke bis 71 kg. Schwergewichtler Dimitar Kumchev bot tolle Kämpfe und ist in seinem dritten Jahr beim KSV Tennenbronn zu einem Publikumsliebling geworden. Das erste Lokalderby gegen Sulgen fand schon vor einer rekordverdächtigen Kulisse statt, die danach gegen Aichhalden nochmals deutlich übertroffen wurde. Dass Tennenbronn in der Vorrunde auch zweimal verlor und je einmal mit fünf und sogar nur vier Einzelsiegen knapp gewann, zeigt die wahre Ausgeglichenheit der Regionalliga.

Die Lokalderbys gegen Sulgen und Aichhalden mobilisierten Fans aus der ganzen Region und sorgten für Stimmung.


Dimitar Kumchev genießt Sympathien bei großen und kleinen Fans.

Nach dem Geschiebe in der Rückrunde hat die Abschlusstabelle keine wirkliche Aussagekraft über die Stärke der Mannschaften. "Außer Konkurrenz" liegt die nicht aufstiegsberechtigte Reserve des TuS Adelhausen an der Spitze. Platz 2 und Platz 8 liegen nur drei Punkte auseinander und in diesem Gedränge spielt auch der direkte Vergleich eine Rolle. Von den drei mit 19 : 17 punktgleichen Lokalrivalen kam Tennenbronn auf den 5. Rang vor Aichhalden und Sulgen. Mit 18 : 18 nur einen Punkt dahinter folgt Reilingen-Hockenheim bereits auf einem Abstiegsplatz, wenn sich der sieglose ASV Urloffen aus der 1. Bundesliga verabschieden sollte. Als Absteiger stehen Rheinfelden und Taisersdorf fest. Als Tabellenzweiter in die Bundesliga aufsteigen wird Hausen-Zell, die Plätze 3 und 4 belegen Schriesheim und Weitenau-Wieslet.

So wie es war, kann es nicht bleiben - darin sind sich Vorstandschaft, Trainer, Ringer und Fans des KSV Tennenbronn einig. Welche Konsequenzen für die neuen Ziele und die zukünftige Mannschaft daraus gezogen werden, ist noch völlig offen. Man erwartet auch eine Reaktion des DRB, dem die „Danke, wir verzichten“-Haltung nicht entgangen sein kann.

Vor diesen schwierigen Verhältnissen war es Fabian Reiner ein Anliegen, den Fans des KSV für ihre Treue ganz besonders zu danken. Er war durch sie beim letzten Heimkampf mit großer Mehrheit zum "Ringer des Jahres" gewählt worden und er hat sich diese Ehre auch ganz besonders verdient. Fabian Reiner war in allen 18 Kämpfen dabei und holte dabei nicht nur 18 Siege, sondern auch 17 mal die vollen vier Punkte. Nur einmal musste er sich mit drei Punkten "begnügen", das war im allerersten Kampf gegen den Taisersdorfer Andreas Rinderle. Auf die Plätze dahinter kamen Timo-Marcel Nagel und Florian Neumaier

Die Ringer des Jahres: von links Timo-Marcel Nagel, Fabian Reiner, Florian Neumaier


Tennenbronn II muss zurück in die Bezirksliga

Die Euphorie nach dem Aufstieg vor einem Jahr war bei der Reserve des KSV schnell verflogen. Mehrere Ringer standen für die neue Runde aus gesundheitlichen, schulischen oder beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung - Verletzungen während der Runde kamen hinzu. Diese Last hatte fast ausschließlich die zweite Mannschaft zu tragen. Nach einer gänzlich sieglosen Runde in der Verbandsliga ist der Abstieg dann auch eher eine Erlösung als eine Strafe. Die Bezirksliga bietet die Chance für einen Neuaufbau mit motivierten Ringern aus dem Nachwuchsbereich.


Schülermannschaft sorgt für erneuten Glanzpunkt

Der achte Stern leuchtet über der Schülermannschaft des KSV Tennenbronn. Sinnbildlich für die achte Meisterschaft liefen die Jungs mit acht ausgeschnittenen Sternen zur Siegerehrung durch den Jugendreferenten Klaus Blank auf. In diesem Jahrzehnt hat die höchste südbadische Jugendliga noch keinen anderen Meister gesehen. Doch der achte Stern flackerte schon etwas und es wurde Schützenhilfe benötigt von der RG Lahr, die dem auf Meisterschaftkurs liegenden Radolfzeller Schülerteam eine Niederlage verpasste. Im letzten Einzelkampf der Saison und dort auch in den letzten Kampfsekunden besiegelte Leon Schetterer den Tennenbronner Sieg gegen Lahr, der zur erneuten Meisterschaft noch gebraucht wurde. Kein Wunder, dass Leon von seinen Kameraden nach seinem nervenstarken Kampf mit hauchdünnem 4 : 3-Punktsieg schier erdrückt wurde.

Mathias Schondelmaier war nicht nur der beste Punktesammler in der ersten KSV-Schülermannschaft, sondern kämpfte auch sehr erfolgreich in beiden Männermannschaften mit.

Die Überlegenheit des KSV-Teams ist den älteren Jahrgängen zu verdanken, die auch schon Erfahrung in den Aktivenmannschaften gesammelt haben. Da sie an der Schwelle der zulässigen Altersgrenze stehen, muss in den kommenden Jahren ein Neuaufbau erfolgen. Schon in dieser Runde sind etliche Neulinge in der zweiten und dritten Schülermannschaft gestartet. In der Schüler-Bezirksliga erreichte Tennenbronn II mit 9 : 15 Punkten den 5. Platz und Tennenbronn III belegte mit 11 : 13 Punkten ebenfalls Rang 5 in der Aufbauklasse Schwarzwald.