Für die Ringer hat die Corona-Pandemie besonders einschneidende Einschränkungen verursacht. Als Hallensport mit Körperkontakt sind alle deutsche Meisterschaften und internationalen Turniere abgesagt worden. Das trifft etliche junge Tennenbronner Athleten extrem hart, weil sie im letzten Jahr ihrer Altersklassen zu den Favoriten zählten und die Chancen auf eine Topplatzierung verrinnen lassen mussten. Ob die Meisterschaften zum Jahresende nachgeholt werden, ist noch ungewiss. Nun hofft der KSV, dass nicht auch noch die Mannschaftsrunde dem Virus zum Opfer fallen muss.

In der Zeit des Lockdown war jegliches Training von Grifftechniken unmöglich geworden und auch das Fitnesstraining in der Ringerhalle verboten. So haben sich die Internet-affinen Ringer unter der Leitung von Fabian Reiner und Timo-Marcel Nagel ein Online-Training eingerichtet und per Konferenzschaltung konnte jeder von zu Hause aus teilnehmen. Dass diese Notlösung nun beendet und das Fitnesstraining in der Ringerhalle wieder freigegeben ist, wurde offensichtlich von den Bambinis bis zu den Erwachsenen sehnlichst erwartet, wie die Teilnehmerzahlen der ersten Einheiten beweisen. Nach wie vor ist allerdings das Kontakttraining zum Üben von Grifftechniken für Vereine nicht zugelassen. Dass auch hier bald eine Lockerung erfolgt ist natürlich ein großer Wunsch und ein wichtiges Detail für die Vorbereitung auf eine Mannschaftsrunde. Hoffnung dafür weckt die Tatsache, dass der Deutsche Olympische Sportbund DOSB die Freigabe für Spitzensportler bereits erreicht hat und die Kaderathleten am Olympiastützpunkt in Freiburg seit dieser Woche wieder mit Körperkontakt trainieren dürfen. Davon profitieren vom KSV Tennenbronn David und Lukas Brenn, Leon Schetterer und Sina Moosmann.

In den letzten Wochen fand ein umfassender Austausch unter den Vereinen der ARGE Baden-Württemberg statt, ob und wie eine Mannschaftsrunde 2020 durchgeführt werden kann. Die Meinungen gingen stark auseinander - während die Mehrheit der nordbadischen Vereine für eine Absage plädierte, wollten insbesondere die Ringer der hiesigen Region die Hoffnung noch nicht aufgeben. Das ARGE-Präsidium erarbeitete am 10. Juni zwei Durchführungskonzepte, die derzeit noch zur Diskussion stehen. Beide sehen den Rundestart um einen Monat verspätet am 3. Oktober 2020 vor, um den Vereinen einen Zeitgewinn für die Vorbereitungen zu geben.

Konzept 1

Die Mannschaftsrunde wird wie gewohnt mit jeweils neun Vor- und Rückrundenkämpfen durchgeführt. Sie Sie enthält aber zwei zusätzliche Doppelkampftage und zieht sich wegen des verspäteten Beginns über den Jahreswechsel hinaus in den Januar 2021 hinein.

Konzept 2

Die Mannschaften werden nach regionalen Gesichtspunkten in zwei Gruppen geteilt. Die Gruppenersten und Gruppenzweiten ringen ein Halbfinale aus und die Sieger daraus bestreiten das Finale um die Meisterschaft und den Aufstieg. In gleicher Weise wird unter den Gruppenvierten und Gruppenfünften der Absteiger ermittelt. Je nach Platzierung in der Gruppe fallen dann für eine Mannschaft zehn oder zwölf Kämpfe an und die Runde könnte damit vor Weihnachten beendet werden.

Der KSV Tennenbronn ist trotz aller Probleme bestrebt, eine Mannschaftsrunde zu bestreiten und bevorzugt das Konzept 2. In der Regionalliga käme mit den Mannschaften aus Aichhalden, Baienfurt-Ravensburg-Vogt, Gottmadingen, Hofstetten und Tennenbronn eine extrem attraktive und lokal brisante Gruppe zusammen. Das Hoffen und Bangen wird jedoch noch eine Weile weitergehen: Einmal darum, wie die Entscheidung unter den Vereinen ausgehen wird, und zum Anderen, ob es eine generelle Freigabe von Kontaktsport-Veranstaltungen ohne unerfüllbare Abstandsregeln für die Zuschauer geben wird. Ohne Fans will nämlich niemand ringen.

Beim KSV Tennenbronn denkt man positiv. Auch der Verlust von den drei Leistungsträgern Dimitar Kumchev (Beendigung der aktiven Laufbahn), Maximilian Mond und Thomas Eckhardt (Vereinswechsel) sind kein Anlass, sich hinter Corona zu verstecken und für einen Ausfall der Runde zu stimmen. Zumindest ein Ersatzmann in den schweren Gewichtsklassen ist in der Meldeliste verzeichnet. Es handelt sich um den rumänischen Juniorenmeister 2019 Cristian Teodor Chira, der am 29. Februar gerade 20 Jahre "jung" geworden ist. Cristian ist also ein aufstrebender Sportler, der erstmalig in Deutschland einem Verein beitritt und sich in der Regionalliga mit äußerst starken Gegnern messen will. Bereits im November 2018 war er als Mitglied der rumänischen Nationalmannschaft bei den U23-Weltmeisterschaften dabei und belegte dort mit einem Sieg und einer Punktniederlage gegen den Baienfurter Jan Zirn den 10. Platz. Die Stilart vom Cristian Chira ist griechisch-römisch und er soll damit  in Tennenbronn die Klassen bis 97 und 130 kg vertreten. Die Freistilkämpfe hier wird Miroslav Geshev übernehmen, der sich zum Aufstieg bis ins Schwergewicht bereit erklärt hat.

Cristian Teodor Chira, Neuzugang aus Straja in Nord-Rumänien beim KSV Tennenbronn.

Bis Ende Juli soll finale Gewissheit herrschen, ob sich die Vorbereitungen gelohnt haben und die Mannschaftsrunde in einer außergewöhnlichen Zeit wieder ein Stück Normalität und Freude zurückbringen kann.